Such-Box:

1908-2008 100 Jahre Gemeinde Gottes Herford

Die offene Tür - noch rechtzeitig erkannt

Liebe Geschwister und Freunde,

mit diesem Zeugnis möchte ich euch von meiner Bekehrung berichten. Es ist gar nicht so einfach, dieses in Worte zu fassen. Dennoch möchte ich bezeugen, dass ich zum Heiland gefunden habe und will erzählen, wie es dazu kam und wie Gott an mir gewirkt hat.

Seit etwa 20 Jahren bin ich mehr oder weniger regelmäßig mit meiner Frau zum Gottesdienst mitgegangen. Vor ein paar Wochen predigte Br. H. Brose. Ich kann nicht sagen, über welches Thema er sprach, sondern kann mich nur daran erinnern, dass es dort um eine offene und um eine geschlossene Kammer ging. An die Predigt als solches kann ich mich nicht mehr erinnern, da ich diese eher unaufmerksam verfolgt habe. Das Wort "Kammer" aber lies mich nicht los!

Am 24. Februar 2008 predigte Br. N. Ernst. Das Thema lautete "Erkennen und Nutzen wir die uns geschenkte Lebenszeit?". Nur ein Wort aus seiner Predigt erreichte mich, das Wort "Zeit". Ich saß im Saal, und es ließ mir keine Ruhe. Es hat "Klick" gemacht und ich fragte mich im Stillen: "Hast du noch die Zeit, oder ist deine Zeit schon vorbei?" Der Predigt konnte ich nicht mehr folgen, nur das Wort "Zeit" brannte sich in meine Seele ein.
Nach der Predigt ging ich zu Br. Brose und fragte ihn, ob er für mich beten kann. Br. C. Ress kam zufällig dazu, und ich bat auch ihn, er möge für mich beten. Den Vorschlag von Br. Brose, es jetzt hier zusammen zu tun, habe ich abgelehnt. Ich war noch nicht "reif genug", um im Nebensaal des Gemeindehauses hinzuknien und zu beten.
Es ging mir ja schon die ganze Zeit nicht gut. Der Gedanke über die Kammer verfolgte mich auf der Arbeit, sodass die Kollegen bemerkten dass ich mich irgendwie verändert habe. Sie fragten mich, ob ich denn träumen würde, denn ich mache sonst immer so meine Späßchen mit ihnen. Nach "Späßchen" war mir allerdings nicht zumute. Ich habe immer nur daran denken müssen: "Ist meine Kammer auf, oder ist sie zu?" Ich war innerlich am Brennen. Jetzt kam auch noch dieser Gedanke mit der "Zeit" dazu. Es war nun ganz aus mit mir. Die Predigt von Br. Ernst hat mir den Rest gegeben. "Hast du noch die Zeit?", habe ich mir gedacht, "Hast du noch die Zeit um zum Herrn zu finden? Hast du die noch?".

Zuhause hatte ich ein merkwürdiges Gefühl, welches mich auch am Montag auf der Arbeit nicht verließ. Die Kollegen fragten mich abermals, ob ich träumen würde. Es war so, als ob in meiner Brust etwas brennt. Ich kam von der Arbeit nach Hause, in meiner Brust brannte es immer noch, es hat richtig weh getan. Ich legte mich auf die Couch und dachte es würde vergehen. Ich wollte es nicht wahr haben, dass dieses Brennen das Verlangen war, den Frieden Gottes zu suchen und zu empfangen. Ich wollte es wegschieben.
Am Dienstag funktionierte das Wegschieben nicht mehr. Ich bin von der Arbeit gekommen, und in meiner Brust brannte es noch intensiver. Ich habe nach einer Möglichkeit gesucht, die CD mit der Predigt zu bekommen. Mein Schwager, Br. E. Schmidt wollte sich darum kümmern. Er kam kurze Zeit später zu mir rüber, in Arbeitskleidung, so wie er war. Er hat angefangen von seiner Arbeit zu erzählen die er gerade macht, vom Holz oder so etwas, ich hörte ihm gar nicht richtig zu, denn das hat mich im Augenblick nicht interessiert. Ich hatte noch eine Zigarette an (ich habe seit meinem 14. Lebensjahr geraucht), der Druck in meinem Inneren aber war so groß, dass ich die Zigarette wegschmiss, mich nicht mehr zurückhalten konnte und meinen Schwager umarmen musste, und ihn darum bat, für mich zu beten. Er ging nach Hause, zog sich um, und kam sofort wieder zu mir. Ich habe ihn weggeschickt. Er hatte sicherlich die gute Absicht gehabt, mir zu helfen, aber ich wollte es nicht. Ich wollte erst mit meiner Frau darüber sprechen. So habe ich sie auf der Arbeit angerufen und wollte sie darum bitten, doch schnell nach Hause zu kommen. Allerdings war sie schon auf dem Heimweg.

Kurze Zeit später stand sie vor der Tür. Ich öffnete ihr und fiel ihr um den Hals. Ich musste sie so drücken, so drücken. Dieses habe ich schon so lange nicht mehr gemacht. Das muss ich offen zugeben, so lange nicht mehr. Ich habe sie so fest und so richtig von ganzem Herzen gedrückt, und wollte sie nie mehr loslassen. Wir haben uns im Wohnzimmer hingesetzt, haben geredet, und einer von uns sagte: "Komm, wir beten." So knieten wir uns nieder. Meine Frau betete für mich und ich habe nur einen kleinen Satz gebetet. Dieser Kleine Satz bewirkte bei mir eine kleine Erleichterung. Wir standen auf und umarmten uns kurz. Meine Frau fragte mich, ob ich Hilfe bräuchte und ob sie jemanden rufen sollte. Ich sagte nichts.
Sie ging in die Küche, bereitete unser Abendbrot, und musste anschließend noch inhalieren. Während sie dieses mit einem Handtuch über dem Kopf tat, ging ich zum Telefon und rief Br. Brose an. Ich fragte, ob ich zu ihm kommen könnte. Er hat angeboten sich auf den Weg zu uns zu machen, dieses habe ich jedoch abgelehnt, denn ich wollte zu ihm. So fuhren meine Frau und ich anschließend zu ihm hin.

Wir setzten uns bei ihnen und ich habe dem Bruder mein Herz ausgeschüttet. Meine Frau und auch seine Frau waren dabei, was mich jedoch überhaupt nicht störte. Es war für mich so, als ob sie gar nicht da waren. Ich erzählte, und erzählte, und erzählte. Schaute ihm in die Augen, und er hat mir in die Augen geschaut. Früher, wenn es sich mal so ergeben hat, dass wir zusammen am Tisch saßen, aß ich so schnell, das ich schnell wieder wegkam bevor er mich vielleicht nach meinem geistlichen Zustand fragen würde. Jetzt war ich so froh, neben dem Bruder zu sitzen und so frei mit ihm reden zu können. Das ist für mich ein Wunder.
Das Allerschönste ist aber, dass nicht eine gesamte Predigt, sondern einzelne Worte aus zwei Predigten mein Herz erreicht und bewegt haben. Ich bin so dankbar, dass ich so einen Bruder habe, der Tag und Nacht für mich gebetet hat. Er hat Zeit gefunden, für mich zu beten. Er konnte in der Nacht nicht schlafen und hat nachts um halb eins NUR für mich gebet, NUR für mich. Das konnte ich nicht fassen. Nur für mich!
Auch andere Geschwister beteten für mich, das habe ich nicht gewusst. Ich bin euch so dankbar liebe Geschwister. Der Herr hat mir meine Sünden vergeben und mein Herz ist nun frei.
Ich bin noch am gleichen Abend zu meinen Verwandten gefahren, denn auch sie haben für mich gebetet. Nur für mich! Am Dienstag haben so viele Geschwister nur für mich gebetet. Ich habe den lieben Gott gefunden! Das kann ich bezeugen, und ich möchte IHN immer bei mir behalten. Schon alleine wegen meiner lieben Frau. So eine liebe Frau! Die habe ich gar nicht verdient. Andere hätten mich für das, was ich ihr angetan habe, schon längst verlassen. Sie hat zu mir gestanden, trotz aller Pein die ich ihr bereitet habe. Das ist eine Frau! Da hat mir der Liebe Gott so ein schönes Geschenk gemacht, das gibt es gar nicht!

Liebe Geschwister bitte betet weiterhin für mich, damit ich diesen Weg weiter gehe und vor allem auf dem richtigen Weg bleibe. Bitte.

Eines möchte ich noch loswerden. Mein lieber Nachbar, Adolf Wenzel, hat ja auch vor kurzem den lieben Gott gefunden, und ich habe menschlich gedacht: "Jetzt werden die Leute denken, ich mach es weil der Nachbar sich bekehrt hat, so als "Mitläufer" eben.".
Liebe Geschwister, so ist es nicht, das kann ich bezeugen. Es kommt hier raus, aus dem Herzen, das darf und kann ich bezeugen. Ich bin dem Herrn so dankbar, dass ER mir noch die Zeit gegeben hat, Ihn zu finden. Mir ist so wohl!
Ich möchte es noch einmal wiederholen: Bitte betet für mich, liebe Geschwister, damit ich noch eine angenehme Zeit mit meiner Frau verbringen kann und wir gemeinsam für unsere Kinder beten können. Und vor allem, dass ich die Zeit mit meinem Heiland verbringen kann.

Amen.

Euer Bruder im Herrn,
W. Bindl