Wer sorgt in unserem Leben?
Vor kurzem wurde in einer Botschaft der Vers aus Matthäus 6,33 angeführt, in dem es heißt: "Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen." Dieser Vers wurde jedoch in seinem Kehrschluss betrachtet, das heißt, fehlt uns etwas, sind wir entmutigt, können wir nicht vertrauensvoll in den neuen Tag gehen, wie es in Vers 34 heißt, dann kann die Ursache darin liegen, dass wir nicht zuerst nach dem Reich Gottes trachten. Das hat mich zum Nachdenken gebracht und in mir die Frage aufgeworfen, ob ich wirklich zuerst nach dem Reich Gottes trachte. Wie oft erwartet man von Gott sofortige Hilfe, doch wie lange muss er auf ein Dankeschön, ein offenes Ohr für sein Reden, Zeit, die Ihm gilt, bevor man eigenen Interessen nachgeht, warten.
In diesem Zusammenhang fiel mir eine besondere Gebetserhörung ein, die ich schon lange in Form eines Zeugnisses wiedergeben wollte - schon im letzten Jahr. Wie schade, ja wie leichtsinnig, dass ich das so lange vor mir hergeschoben habe. So möchte ich es nicht länger aufschieben und sie an dieser Stelle wiedergeben um Gott auf diesem Wege noch einmal zu danken.
Es war im letzten Sommer, als ich vom Amtsgericht Post erhielt, in der ich als Zeugin geladen wurde. Es ging um sexuellen Missbrauch, der Fall war mir bekannt. Jedoch lag dieser Fall schon fast ein Jahr zurück. Ich arbeitete zu jener Zeit in der Kinder- und Jugendhilfe, betreute Kinder und Jugendliche, die aus einem schwierigen Elternhaus kamen und deren Hintergrund in jeglicher Hinsicht problembehaftet war. Nun wurde eine unserer Schutzbefohlenen vom Lebenspartner ihrer Mutter sexuell missbraucht. Die Polizei wurde eingeschaltet, auch ich sagte aus. Die Jugendliche erstattete Anzeige, nahm sie wieder zurück, Aussagen widersprachen sich. Kurz gesagt, es war recht kompliziert. Da dieses Mädchen mein Bezugskind war, war ich besonders stark in diesen Fall involviert und wusste um die Schwierigkeit, teilweise auch um die Gefahr in der Zusammenarbeit mit Mutter und deren Lebensgefährten.
So legte sich die Ladung als Zeugin nach knapp 7 Monaten besonders schwer auf mein Gemüt. Wie trug sich das alles noch mal genau zu? Wer hatte wann was gesagt? Was hatte ich bei der Polizei ausgesagt? In welcher Reihenfolge lief alles ab? Es sind ja Details, auf die es dann ankommt. Zudem machte sich auch Angst breit. Wie reagiert der Angeklagte auf Deine Aussage? So ließen sich die Fragen fortsetzen.
Ich betete für diese Angelegenheit. Noch 4 Monate bis zum Termin, drei, zwei. Ich wartete, vielleicht würde die Anklage zurückgezogen werden, doch nichts tat sich. Noch ein Monat blieb und schließlich kam der Tag der Verhandlung. Wohl etwas traurig, dass trotz meiner Bitte der Termin nicht abgesagt wurde, ging ich dennoch entschlossen hin, nahm vor dem Verhandlungssaal Platz und wartete, bis ich aufgerufen werden würde. Allerdings wunderte ich mich, keine weiteren Zeugen anzutreffen. Also ging ich zur Tür und schaute noch einmal auf den Verhandlungsplan. Ja, Name und Uhrzeit stimmten. Außerdem wurde mir an der Pforte bestätigt, dass die Verhandlung stattfindet. So setzte ich mich wieder und wartete. Plötzlich wurde mein Name aufgerufen. Ich möge als Zeugin eintreten. Ich ging zur Tür, doch die war verschlossen. Ging zur anderen, auch die war zu. So erkundigte ich mich an anderer Stelle und nach kurzem Warten sagte man mir, dass die Verhandlung wohl begonnen hatte, nach einiger Zeit allerdings eingestellt war, da die Klage zurückgezogen wurde. Wenn ich mich zurückerinnere, dann empfinde ich noch jetzt diese Erleichterung mit der ich damals das Gerichtsgebäude verließ. Jeder sorgenvolle Gedanke während der 4 Monate zwischen Ladung und Gerichtstermin war umsonst. "Darum sorget nicht für den andern Morgen, denn der morgende Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage habe." (Mt. 6,34) Wenngleich dieser Vers keine Aufforderung ist, unsere Hände tatenlos in den Schoß zu legen und zu erwarten, dass Gott uns dafür auch noch belohnt, so fordert er uns doch auf, das Sorgen Gott zu überlassen während wir unseren Pflichten treu nachkommen. Selbst wenn unsere Vorstellung vom Sorgen Gottes für seine Kinder nicht Wirklichkeit wird, so hat er noch immer einen Ausweg, an den wir nie gedacht haben mögen. Und oft dann, wenn wir am wenigsten mit seiner Hilfe rechnen. So ging es auch mir. Für mich ist diese Erfahrung nur noch wertvoller und von größerer Bedeutung, als wenn Gott nach meiner Vorstellung geführt hätte. Unterschätzen wir ihn doch nicht, indem wir selber sorgen!
