Gefängnisbesuch am 28. September 2008

In diesem Jahr hat Gott uns wieder die Möglichkeit geschenkt, mit einigen Jugendlichen im Jugendgefängnis Herford einen Gottesdienst durchzuführen. Seit unserem letzten Besuch sind sechs Jahre verstrichen und trotz vielem Beten um eine weitere Gelegenheit schienen uns die Türen verschlossen zu sein. Umso mehr freuten wir uns jetzt auf diesen Gottesdienst.
Um 8:30 Uhr trafen wir uns mit einem Justizbeamten, der den Gefängnispastor zurzeit vertrat, vor dem Eingang der Justizvollzugsanstalt. Dann öffnete sich vor uns das große Eingangstor. Voller Spannung, was uns nun erwartete, ließen wir uns von einem Tor zum anderen führen, bis wir schließlich zur Kapelle kamen. Auf dem Weg dorthin sahen wir an den vergitterten Fenstern neugierige Jugendliche, die uns still beobachteten oder etwas zuriefen.

Um 9:00 Uhr betraten 23 Sträflinge, die am Gottesdienst teilnehmen wollten, die Kapelle. Nach der Begrüßung durch den Justizbeamten sangen wir ein gemeinsames Lied. Darauf folgte unser Programm, das aus Kurzansprachen, Zeugnissen und Liedvorträgen bestand. Für uns war es wichtig, in den Herzen der Gefangenen neue Hoffnung zu wecken, ihnen Jesu Liebe nahezubringen und Mut zu machen, dass ein anderes Leben wirklich funktioniert. Besonders anschaulich zeigte Schw. Ulmer anhand einer Hundeleine, einer Eisenkette und einer Rose den Unterschied einer Beziehung zwischen Gott und Mensch sowie Satan und Mensch:

Ein Herrchen führt seinen Hund beim Spaziergang an der Leine. Es scheint vielleicht, dass der Hund wenig Bewegungsfreiheit hat, doch im Grunde hat er es bei seinem Herrchen gut. Er wird gepflegt, geliebt und bekommt alles, was er braucht.
Der Satan jedoch hasst seine Sklaven. Er bindet sie mit Ketten der Sünde, die sie aus eigener Macht nie im Stande sind zu lösen.
Die einzige Hoffnung, von diesen Ketten befreit zu werden, ist Jesus Christus.

Bei diesen Worten hielt Schw. Ulmer die Rose in die Höhe, die die Hoffnung auf Jesu Liebe symbolisieren sollte. Besonders deutlich hob sie hervor, dass die Befreiung von den Ketten der Sünde möglich sei und ein freies Leben in Gott Realität werden könne.

Auch in anderen Beiträgen kam dieser Aspekt zum Ausdruck.

In einer Kurzansprache stellte Br. Brose die Frage: "Was ist Glück?". Jeder definiert für sich, was glücklich sein heißt. In seinem Leben strebt jeder Mensch danach, glücklich zu werden und sucht das Glück in den Freuden der Welt. Das wahre Glück jedoch, das einen Menschen vollständig befriedigen kann, kann nur Gott geben.
Während des Programms zeigten sich die Gefangenen interessiert. Bei dem Lied "Ich bin durch die Welt gegangen" äußerten sie den Wunsch, mitzusingen. Da mehrere der Gefangenen russischer Herkunft waren, sangen wir auch ein russisches Lied und auch hier sangen viele mit. Die ausgeteilten Liederblätter haben sie gern behalten.

Zum Schluss richtete der Justizbeamte an die Gefangenen die Frage: "Was müssen wir tun, um dem Teufel zu gehören?" Nach einer kurzen Pause antwortete einer der Insassen: "Nichts." Er hatte also verstanden, dass die Menschen von Natur aus sündig sind. Der Justizbeamte erläuterte dann, was man tun müsse, um Jesus anzugehören, nämlich die Herzenstür zu öffnen. Anschließend bat er in seinem Abschlussgebet, dass das Gesäte Frucht bringen möge. Nach dem Gottesdienst hatten einige unserer Brüder die Gelegenheit, sich mit den Gefangenen zu unterhalten.
Der Justizbeamte war uns gegenüber sehr aufgeschlossen und gab seine Einwilligung zu einem erneuten Besuch.
Wir empfanden diesen Gefängnisbesuch als eine Führung Gottes. Wir spürten seine leitende Hand und wurden reich gesegnet. Wir beten, dass Gott noch weiter zu den Herzen der Gefangenen spricht und uns einen erneuten Besuch ermöglicht. Ihm allein sei Dank und Ehre.